Sonntag, 28. Juli 2013

Ich will nur sagen, dass es mir gut geht.
Denn einige scheinen ab und an hierher zu schauen.
Und manche Kommentare, die um eine Rückkehr baten, gab es ja auch.

Ein Comeback soll dies nicht sein, ich bin ja auch nie weg gewesen. Nicht wirklich jedenfalls, und wenn dem einen oder anderen die Seite tot und zurückgelassen anmuten mag, so trügt ihn sein Eindruck einerseits nicht, andererseits ist es sie trotzdem nicht, weil ich immer wieder mal lese, was ich so gedacht und geschrieben habe.

Ich schreibe hier nicht mehr regelmäßig, weil dieser kleine Blog nur eine Art öffentlichen Tagebuchs für meine besonders kummervollen Tage sein sollte. Die habe ich hinter mir.

Es sind andere Zeiten angebrochen. 

Meine ersten Wochen und Monate in dieser Stadt waren schwer: Wenige Tage vor meinem Umzug hierher verließ mich L., meine damalige Freundin, von der ich heute nichts mehr weiß und die bis dahin mein einziger Bezugsmensch gewesen war. Mein einziges war auch das nur denkbar innigste Verhältnis zu jemandem gewesen, und als es damit im Herbst des vergangenen Jahres zu Ende ging, wusste ich nicht mehr vor noch zurück, nicht aus noch ein. Der Schmerz war unermesslich und das Schwarz unschätzbar tief. Einige Wochen später lernte ich A., eine besonders kluge und schöne Frau, kennen, die ich innerhalb kürzester Zeit sehr lieb gewann. Aber ich überstürzte die Sache wie ein Wahnsinniger — sie wies mich von sich und ich begriff es nicht. Wieder Trauer, mit der ich nicht fertig werden wollte, wieder ein Mensch, in den ich mich hoffnungslos vernarrt hatte, wieder ein Loch ohne Boden. Dann starb mein Vater kurz vor Jahresende, besser gesagt, an Weihnachten. Auch mit den Menschen an meinem Institut wurde ich nur langsam warm. Ich hatte also nirgends so wirklich Fuß gefasst und kam mir vor wie ein Einsamer, auch dann, wenn ich die Abende mit andren verbrachte.

Doch der Jahreswechsel brachte auch einen Wechsel der Dinge mit sich.

Heute arbeite ich als Hilfskraft an unserem Institut. Diese Stelle war mir im Februar angeboten worden.
Ab und an gebe ich Konzerteinführungen in einem großen Konzerthaus, manchmal halte ich Vorträge vor kleineren oder größeren Gruppen. 
Ich lese wieder mehr und kann wieder Freude an den Dingen empfinden, die eigentlich immer zentrales Element meines Daseins gewesen waren. Es ist alles wieder da, und vieles habe ich eingesehen.
Mein ganzes Leben ist nun wieder auf das gerichtet, das ich immer gewollt habe: auf die Musik, aufs Lesen, aufs Schreiben.
Selbst ein paar Freunde habe ich gefunden, die gern ihre Zeit mit mir verbringen.

Es geht mir gut und ich bin, ganz im Hegelschen Sinne, ein Mensch, "welcher [...] in seinem Dasein sich selbst genießt."


http://www.youtube.com/watch?v=nkMdPLxSaek