ich könnte mich nicht erinnern, wann ich zum letztenmal aufrichtige freude empfunden hätte.
beklagenswert finde ich es nicht. ich bemerke es bloß.
zeitweise kommen mir die glücklichen menschen dumm vor, weil ich bei ihnen allzu oft den eindruck habe, dass sie sich zufrieden geben mit oberflächen, mit »gefühlen«, mit atmosphäre und stimmungen; dass sie gar nicht fähig oder willens sind, fragen an das zu stellen, das ihnen widerfährt. sie nehmen das leben, wie es eben kommt — und scheinen gut daran zu tun.
wirklich?
ab und an bilde ich mir ein, sie seien wirklich glücklich und führten ein gutes leben; dann wiederum rätsele ich hin und her, ob ich nicht in dem wenigen, das ich habe, in gewisser weise erfüllter bin, als sie es mit dem ihren sind, weil ich nach fortentwicklung strebe in dem, das mich interessiert, während diese menschen gar keine »interessen« im wörtlichsten sinne zu haben scheinen. sie beschäftigen sich irgendwie, und dabei ist besorgniserregend oft die sprache vom zeitvertreib, von der flucht vor dem nichts, gar vom totschlagen der zeit —
— anstatt vom nutzen.
wo diese menschen ihre auseinandersetzung mit etwas beenden, sei es musik, literatur, irgendetwas beliebiges, da beginnt für mich erst der wirkliche beschäftigungsprozess. die leute dekorieren sich mit lauter kulturellem engagement, aber sobald du sie einmal mehr fragst als nach dem: fandest du es schön?, geraten sie an die eng gefassten grenzen ihrer ausdrucksmöglichkeit. es gilt für sie das schöne, das erhabene, sublime, und welche implikationen damit einhergehen, das geht sie nichts an — aus furcht vor der »entzauberung« und dem verlust des »mystischen« ihres gegenstandes. diese esoterische selbstgerichtigkeit versagt ihnen nur die geringste möglichkeit des fortschritts, der vernunft; die welt ist nicht zauberhaft, und alles, was es zu tun gilt, ist, dies auch herauszustellen. wer glaubt, es genüge, das schöne wahrzunehmen und eben schön zu finden, der lässt sich in letzter konsequenz von allem und jedem beherrschen.
was ist das glück, das sie dadurch erlangen, eine sache zu betrachten und dann genug daran zu haben?
so gesehen, sollte ich eigentlich froher sein, als sie es können, aber ich bin es nicht. da ist so viel unruhe in mir, die es mir einfach schlichtweg unmöglich macht, mit einem status quo welcher art auch immer zufrieden mich zu geben. solche faust'schen sehnsüchte, die zeit im zenit der lust aufzuhalten, sind mir an sich fremd, wenngleich ich oft genug durchaus wünschte, dass der eine oder andre moment länger andauerte. aber was mich vielleicht unterscheidet von den menschen, die glückliche zeiten haben, ist, dass ich daraus eigentlich nichts mitnehme. das heißt: so schön ein moment sein mag, so ist doch auch das schöne mit dem zeitlichen vergangen. ich zehre also nicht von frohen tagen, die längst hinter mir liegen, und auch in erinnerungen schwelgen und mir eigne welten aufbauen käme mir nicht in den sinn, weil ich genau weiß, wie absurd es ist, sich in etwas zu versetzen, das einen in wirklichkeit gar nicht berührt.
wirklich?
ab und an bilde ich mir ein, sie seien wirklich glücklich und führten ein gutes leben; dann wiederum rätsele ich hin und her, ob ich nicht in dem wenigen, das ich habe, in gewisser weise erfüllter bin, als sie es mit dem ihren sind, weil ich nach fortentwicklung strebe in dem, das mich interessiert, während diese menschen gar keine »interessen« im wörtlichsten sinne zu haben scheinen. sie beschäftigen sich irgendwie, und dabei ist besorgniserregend oft die sprache vom zeitvertreib, von der flucht vor dem nichts, gar vom totschlagen der zeit —
— anstatt vom nutzen.
wo diese menschen ihre auseinandersetzung mit etwas beenden, sei es musik, literatur, irgendetwas beliebiges, da beginnt für mich erst der wirkliche beschäftigungsprozess. die leute dekorieren sich mit lauter kulturellem engagement, aber sobald du sie einmal mehr fragst als nach dem: fandest du es schön?, geraten sie an die eng gefassten grenzen ihrer ausdrucksmöglichkeit. es gilt für sie das schöne, das erhabene, sublime, und welche implikationen damit einhergehen, das geht sie nichts an — aus furcht vor der »entzauberung« und dem verlust des »mystischen« ihres gegenstandes. diese esoterische selbstgerichtigkeit versagt ihnen nur die geringste möglichkeit des fortschritts, der vernunft; die welt ist nicht zauberhaft, und alles, was es zu tun gilt, ist, dies auch herauszustellen. wer glaubt, es genüge, das schöne wahrzunehmen und eben schön zu finden, der lässt sich in letzter konsequenz von allem und jedem beherrschen.
was ist das glück, das sie dadurch erlangen, eine sache zu betrachten und dann genug daran zu haben?
so gesehen, sollte ich eigentlich froher sein, als sie es können, aber ich bin es nicht. da ist so viel unruhe in mir, die es mir einfach schlichtweg unmöglich macht, mit einem status quo welcher art auch immer zufrieden mich zu geben. solche faust'schen sehnsüchte, die zeit im zenit der lust aufzuhalten, sind mir an sich fremd, wenngleich ich oft genug durchaus wünschte, dass der eine oder andre moment länger andauerte. aber was mich vielleicht unterscheidet von den menschen, die glückliche zeiten haben, ist, dass ich daraus eigentlich nichts mitnehme. das heißt: so schön ein moment sein mag, so ist doch auch das schöne mit dem zeitlichen vergangen. ich zehre also nicht von frohen tagen, die längst hinter mir liegen, und auch in erinnerungen schwelgen und mir eigne welten aufbauen käme mir nicht in den sinn, weil ich genau weiß, wie absurd es ist, sich in etwas zu versetzen, das einen in wirklichkeit gar nicht berührt.
überhaupt bin ich kaum introvers veranlagt und nehme es sehr wichtig, den menschen mich mitzuteilen. ich würde nicht versuchen wollen, geheimnisvoll mich zu geben und mein denken zu verheimlichen. das gespräch über die dinge ist mir von größter bedeutung, und mit wem ich sie nicht auf ernste weise behandeln kann, mit dem komme ich nur schwerlich auf einen nenner.
doch so viele menschen bleiben beim bloßen gefühl stehen und verschränken sich gegen das erkennen ihrer eignen persönlichkeit, indem sie die ebene des denkens kategorisch ausschließen wollen.
doch so viele menschen bleiben beim bloßen gefühl stehen und verschränken sich gegen das erkennen ihrer eignen persönlichkeit, indem sie die ebene des denkens kategorisch ausschließen wollen.
und ich frage mich, ob das glück sein kann, wenn man nicht vollständig die eignen potentiale ausschöpft, oder ob nicht einer, der sich eingesteht, keine bleibende freude zu haben, gar viel glücklicher ist, als es jemand ist, der einem besondren augenblick nach dem andern hinterherjagt.

Du sprichst mir aus der Seele.
AntwortenLöschenIch bin fasziniert von der Art, wie du dich zu artikulieren vermagst. Ich kenne diese Gedankengänge von mir selbst, aber werde sprachlos, sobald ich versuche, sie in Worte zu fassen. Stattdessen drehe ich mich dann pausenlos im Kreis, bin ich irgendeinen Stuss aufschreibe und mich in meiner eigenen Unzufriedenheit suhle.
Ich bewundere Menschen wie dich, die da klare Worte finden. Worte, die man auch als Außenstehender versteht, in die man sich hineinfühlen kann.