wenn ich die menschen betrachte, deren wege tag um tag sich mit meinem kreuzen oder auch bloß für eine weile neben meinem herlaufen, so stimmt es mich traurig, dass viele von ihnen darum sich bemühen, nicht zu denen, die ihnen begegnen, in beziehung treten zu müssen; ― sie machen vermuffelte gesichter und setzen sich ihre kopfhörer auf, hören musik, und ich denke, sie tun es nur allzu oft, um sich abzuschotten; um nicht die umwelt hören zu müssen, um nicht die menschen hören zu müssen, um offenbar nichts außer dem, dem sie sich ganz für sich widmen, hören zu müssen ― um unerreichbar nicht bloß zu erscheinen, sondern um es in der tat zu sein. sie schaffen sich eine sphäre des privaten, wo es kein privates gibt, und verlangen nach totaler abgrenzung, wo grenzen nicht bestehen können. das kennenlernen anderer wird verlegt aufs wochenende oder auf den späten abend; auf die dafür vorgesehenen etablissements, bars, discos, clubs, wo die geselligkeit sich proportional wohl zum alkoholpegel erhebt. diese orte, deren bestimmung terminiert ist und die als konkreter gegensatz zum arbeitsalltag begriffen zu werden haben. wo man endlich die befreiung zu erreichen glaubt, welche einem durch die arbeit versagt bleibt; ― doch indem man nur diese einteilung anerkennt von freier und unfreier zeit, erkennt man sich an als unfreies wesen und führt somit die vorstellung von der freiheit ad absurdum. indem man den eisernen rhythmus von alternierender freizeit und arbeitszeit verinnerlicht, nützt auch die größte befreiung nichts mehr, obgleich sie objektiv notwendig ist. die arbeitszeit schafft sich einen gegenpol und greift schon dadurch in ihn ein; eine freiheit gibt es nicht ohne eine unfreiheit.
die menschen also verstehen auch die zwischenmenschlichkeit als von diesem prinzip bestimmt. ― man trennt berufliches und privates, als wären es nicht zwei einander bedingende momente.
wer ihnen im alltag begegnet, den nehmen sie mindestens als konkurrenten im kampf ums ökonomische überleben wahr, den begreifen sie nicht als ein subjekt, wie sie es eins sind, sondern sie sehen in ihm wohl zunächst die gefahr der überlegenheit; daher vielleicht blicken sie einander so argwöhnisch an, und schaut einer zurück, sehen sie eilig weg. sie mauern sich ein hinter ihren langen, versteinerten gesichtern, verschränken wehrhaft die arme und geben zu verstehen, nicht gestört werden zu wollen, als wäre jede berührung ein schlag mit der keule.
manchmal erscheint es mir, als sollte einmal ein großer modeschöpfer kommen und panzerrüstungen mit helm und visier zum neuesten trend erklären. er hätte großen erfolg.
die menschen also verstehen auch die zwischenmenschlichkeit als von diesem prinzip bestimmt. ― man trennt berufliches und privates, als wären es nicht zwei einander bedingende momente.
wer ihnen im alltag begegnet, den nehmen sie mindestens als konkurrenten im kampf ums ökonomische überleben wahr, den begreifen sie nicht als ein subjekt, wie sie es eins sind, sondern sie sehen in ihm wohl zunächst die gefahr der überlegenheit; daher vielleicht blicken sie einander so argwöhnisch an, und schaut einer zurück, sehen sie eilig weg. sie mauern sich ein hinter ihren langen, versteinerten gesichtern, verschränken wehrhaft die arme und geben zu verstehen, nicht gestört werden zu wollen, als wäre jede berührung ein schlag mit der keule.
manchmal erscheint es mir, als sollte einmal ein großer modeschöpfer kommen und panzerrüstungen mit helm und visier zum neuesten trend erklären. er hätte großen erfolg.
das ganze steht im kontrast zu dem leben das die leute präsentieren; auf seiten wie facebook. Dort ist ein jeder eines jedem Freund; und man lässt alle, private wie berufliche bekannte an den dingen seines Lebens teilhaben, die als wichtig erachtet werden. Die gesellschaft ist in einer unglaublichen zerissenheit, zwischen absoluter offenheit im internet und abschottung im diesseits.
AntwortenLöschenSehr richtig.
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