Montag, 28. Januar 2013

der zweifler

der mensch, [...], der nicht wenigstens im leben einmal volle lautre schönheit in sich fühlte, wenn in ihm die kräfte seines wesens, wie die farben am irisbogen, in einander spielten, der nie erfuhr, wie nur in stunden der begeisterung alles innigst übereinstimmt, der mensch wird nicht einmal ein philosophischer zweifler werden, sein geist ist nicht einmal zum niederreißen gemacht, geschweige denn zum aufbaun. denn glaubt es mir, der zweifler findet darum nur in allem, was gedacht wird, widerspruch und mangel, weil er die harmonie der mangellosen schönheit kennt, die nie gedacht wird.
friedrich hölderlin, hyperion

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