Donnerstag, 7. Februar 2013

Perpetua melancholia

Heute ist alles grau.
Und dies nicht etwa, weil wir eingespannt sind zwischen dem Oben und Unten, wo dem von grauen Wolken verhangenen Himmel von Zeit zu Zeit ein Flöcklein entrinnt, um sogleich auf dem grauen Asphalt zu vergehen, und auch nicht wegen des Rauchs aus den Schloten und Auspuffen; selbst die Stein- und Stahlkolosse der großen Stadt nehmen es nicht auf mit dem Grau, das mir den Blick ungnädig eintrübt. —
Es ist sogleich nach dem Aufstehen, das ich nur mit größter Mühe über mich bringe, dass mir mein Leben unwert vorkommt. Nicht nur nach der vergangenen Nacht mit Freunden, da alle sich amüsiert haben, nur ich nicht, sondern es ist eine Tristheit, die keinen konkreten Gegenstand kennt und die sich scheinbar beständig selbst reproduziert.
Dies ihr Unaufhaltsames ist mir ebenso großes Rätsel wie Leiden. Das Verhältnis zu meiner Trauer scheint ein dialektisches. Zwar ist sie ein integraler Bestandteil meines Daseins, doch ihre Prinzipien, so sie denn welchen folgt, sind mir so unklar wie kaum etwas Zweites. Sie ist mir das Vertrauteste und das Fremdeste zugleich; ich trage sie ständig mit mir und kann sie nicht fassen; sie ist stets präsent und doch ungreifbar-unbegreiflich; ihre Idiosynkrasie ist ihre Zweideutigkeit, mein Unverständnis ihr erhaltendes Moment.


grau—
     sam. . .

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